Gedanken zur Woche
der Seelischen Gesundheit 2026
Vom 10. bis 20. Oktober findet die Woche der Seelischen Gesundheit statt und eigentlich hatte ich vor, meine Veranstaltungen in diesem Jahr ganz offiziell dafür anzumelden. Eigentlich.
Ich habe es schlicht verpasst.
Als ich dann vor ein paar Tagen noch einmal auf meinen Kalender schaute, musste ich ein bisschen schmunzeln, denn ausgerechnet in diesen zehn Tagen finden vier ganz unterschiedliche Angebote in meinen Räumen statt, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so viel miteinander zu tun haben: HörMuschel-DGS, meine Ankerzeit „Weniger kämpfen. Mehr Du.“, der HörMuschel-Treff und ein Access Bars® Kurs.
Und je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir bewusst, dass sie für mich alle etwas mit seelischer Gesundheit zu tun haben. Nicht im Sinne einer Behandlung psychischer Erkrankungen – das sind meine Angebote nicht. Sondern viel grundlegender mit der Frage:
Was brauchen wir eigentlich, damit es uns seelisch gut gehen kann?
Für mich gehören dazu inzwischen zwei Dinge ganz wesentlich:
Teilhabe und Selbstfürsorge.
Dabei sein ist noch lange nicht teilhaben
Mit dem Wort Teilhabe beschäftige ich mich durch meine eigene Hörgeschichte gerade ziemlich intensiv und dabei wird mir immer deutlicher, dass „dabei sein können“ und „wirklich teilhaben können“ zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.
Ich kann in einem Raum sitzen, in dem alle anderen miteinander sprechen, und trotzdem kaum etwas verstehen. Ich kann an einem Kurs teilnehmen und einen großen Teil dessen, was gesagt wird, nicht erfassen. Ich kann mit einer Gruppe von Menschen an einem Tisch sitzen und nach einer Weile so erschöpft vom Versuch sein, den Gesprächen zu folgen, dass mein Kopf irgendwann einfach abschaltet.
Von außen betrachtet bin ich dabei.
Aber bin ich damit auch wirklich Teil davon?
Und vor allem: Geht es mir damit gut?
In den vergangenen Monaten habe ich ziemlich unmittelbar erlebt, was passiert, wenn die Antwort darauf immer häufiger Nein lautet. Irgendwann beginnt man nämlich, Situationen zu vermeiden. Nicht unbedingt, weil man keine Menschen mehr treffen, nichts mehr lernen oder nicht dazugehören möchte, sondern weil man den Frust und die Anstrengung irgendwann nicht mehr aushält.
Bei mir war das zuletzt bei einem mehrtägigen Kurs sehr deutlich. Durch eine veränderte Teilnehmerkonstellation wäre ich vier Tage lang die einzige Person in einer rein englischsprachigen Gruppe gewesen. Mein Englisch reicht nicht aus, um einem solchen Kurs oder Gesprächen ohne Übersetzung folgen zu können, und durch meine aktuelle Hörsituation ist Kommunikation ohnehin schon deutlich anstrengender geworden.
Rein formal hätte ich teilnehmen können. Ich hätte vier Tage mit im Raum sitzen können.
Aber wirkliche Teilhabe wäre es für mich nicht gewesen.
Diese Erkenntnis hat mich erstaunlich aufgewühlt, denn natürlich kommt ziemlich schnell die Frage: Stelle ich mich gerade an? Könnte ich mich nicht einfach irgendwie durchbeißen? Vielleicht würde es ja doch gehen?
Inzwischen lerne ich, dass „irgendwie aushalten“ nicht der Maßstab dafür sein muss, ob etwas für mich funktioniert.
Und ich glaube, genau an dieser Stelle berühren sich Teilhabe und seelische Gesundheit ganz unmittelbar.
Wenn ich immer wieder erlebe, dass ich zwar grundsätzlich willkommen bin, unter den vorhandenen Bedingungen aber nicht wirklich mitmachen kann, bleibt das nicht folgenlos.
Es macht etwas mit mir, wenn Kommunikation permanent Kraft kostet, wenn ich mich ausgeschlossen fühle oder wenn ich irgendwann lieber zu Hause bleibe, weil das leichter ist als erneut die Erfahrung zu machen, nicht folgen zu können.

Menschen brauchen unterschiedliche Bedingungen
Dabei hat Teilhabe natürlich nicht nur etwas mit einer Hörschädigung zu tun.
In meinen Access Bars® Kursen höre ich beispielsweise erstaunlich oft von Teilnehmerinnen, dass sie ganz bewusst nach einem Kurs in einer kleinen Gruppe gesucht haben. „In einer großen Gruppe fühle ich mich schnell überfordert“, ist ein Satz, den ich in unterschiedlichen Varianten immer wieder höre.
Und das kann ich inzwischen sehr gut nachvollziehen.
Der eine Mensch braucht eine kleine Gruppe, weil viele Menschen und Reize ihn überfordern. Ein anderer braucht wenig Hintergrundgeräusche, um Sprache verstehen zu können. Jemand braucht mehr Zeit, um Informationen zu verarbeiten, ein anderer klare Strukturen oder die Möglichkeit, zwischendurch eine Pause zu machen.
Natürlich kann nicht jeder Raum für jeden Menschen und jedes Bedürfnis passend sein. Aber vielleicht können wir viel öfter die Frage stellen, welche Bedingungen Menschen eigentlich brauchen, damit sie nicht nur anwesend sind, sondern sich wirklich beteiligen und wohlfühlen können.
Vieles kann heute beispielsweise online stattfinden und das ist für viele Menschen eine großartige Möglichkeit zur Teilhabe. Für mich funktioniert es mit meiner Art der Hörproblematik allerdings nur bedingt. Mir fehlen dabei häufig Mimik und Gestik, die mir beim Verstehen helfen, und ich merke immer wieder, dass ich persönliche Begegnung in Präsenz einfach lieber mag.
Teilhabe sieht also nicht für jeden Menschen gleich aus.
Wenn Kommunikation darüber entscheidet, wer dazugehören kann
Am 10. Oktober findet bei mir HörMuschel-DGS statt, ein kleiner Begegnungsraum für Menschen, die Deutsche Gebärdensprache nutzen, lernen oder im gemeinsamen Miteinander erleben möchten.
Auch dabei begegnete mir vor Kurzem eine spannende Frage. Mein Mann und ich diskutierten darüber, ob bei diesem Treffen Lautsprache erlaubt sein sollte oder nicht.
Mein Gedanke dazu war ziemlich schnell: Wenn wir einfach anfangen zu sprechen, sobald uns eine Gebärde nicht einfällt, sitzen vermutlich nach zwanzig Minuten alle da und unterhalten sich in Lautsprache. Das ist bequem, denn natürlich greife ich auf die Sprache zurück, die mir leichter fällt.
Aber angenommen, in dieser Runde sitzt ein Mensch, der Lautsprache nicht oder nur sehr eingeschränkt verstehen kann. Plötzlich sind wieder fast alle im Gespräch – und genau dieser Mensch ist außen vor.
Deshalb möchte ich bei HörMuschel-DGS ausprobieren, was passiert, wenn wir es anders machen. Wenn eine Gebärde fehlt, können wir sie zeigen, nachschauen, aufschreiben oder einen anderen visuellen Weg finden. So, wie wir es auch tun müssten, wenn ein gehörloser Mensch mit am Tisch sitzt.
Für Menschen, die DGS lernen, hat das noch einen weiteren Effekt: Was wir nicht benutzen, vergessen wir wieder. Und wenn ich bei jeder fehlenden Gebärde sofort in Lautsprache wechseln kann, muss ich gar nicht erst versuchen, einen anderen Weg zu finden.
Für mich ist das inzwischen auch Teilhabe: Nicht nur zu sagen „Du darfst selbstverständlich dazukommen“, sondern darüber nachzudenken, ob die Art, wie wir miteinander kommunizieren, tatsächlich allen ermöglicht, Teil des Gesprächs zu sein.
Ein Raum, in dem ich selbst verstehen kann
Ein paar Tage später, am 14. Oktober, findet der nächste HörMuschel-Treff statt. Auch der ist letztlich aus meiner eigenen Suche nach Teilhabe entstanden.
Als meine Hörprobleme immer deutlicher wurden, suchte ich nach Austauschmöglichkeiten und stellte fest, dass ich mich in vielem, was ich fand, selbst nicht so richtig wiederfand. Größere Gruppen mit vielen gleichzeitig sprechenden Menschen sind für mich schwierig. Und bei meinem ersten Treffen mit anderen schwerhörigen Menschen durfte ich außerdem lernen, dass dort teilweise ziemlich laut gesprochen wird.
Das ist nachvollziehbar – nur funktioniert „lauter“ für mich durch meine Geräuschempfindlichkeit ebenfalls nur sehr begrenzt.
Damit saß ich irgendwann zwischen verschiedenen Bedürfnissen und dachte: Wo passe ich denn nun eigentlich hin?
Aus dieser Frage ist die HörMuschel entstanden und mit ihr die Idee, kleinere und bewusst hörfreundliche Begegnungsräume zu schaffen. Nicht, weil klein grundsätzlich besser ist oder weil es eine Gruppengröße gibt, die für alle Menschen funktioniert. Sondern weil ich selbst gerade erlebe, welchen Unterschied es macht, ob die Bedingungen eines Raumes mir Kommunikation ermöglichen oder zusätzlich erschweren.
Eine kleine Gruppe, möglichst wenig Hintergrundgeräusche, eine ruhige Umgebung, klare Kommunikation und die Selbstverständlichkeit, sagen zu dürfen „Ich habe Dich gerade nicht verstanden“ – all das kann darüber entscheiden, ob ich einen Abend als schöne Begegnung erlebe oder danach vollkommen erschöpft nach Hause gehe.
Und vielleicht ist genau das eine Form von gelebter Teilhabe.

Seelische Gesundheit braucht auch den Raum nach innen
Während ich über all das nachdenke, merke ich gleichzeitig, dass seelische Gesundheit für mich noch eine andere Seite hat.
Denn wir können uns sehr darum bemühen, am Leben um uns herum teilzuhaben und dabei trotzdem uns selbst irgendwo verlieren.
Am 11. Oktober findet meine nächste Ankerzeit statt und das Thema lautet diesmal „Weniger kämpfen. Mehr Du.“
Bei der Vorbereitung meiner Ankerzeit-Themen passiert mir regelmäßig etwas, worüber ich inzwischen selbst lachen muss: Ich suche Literatur, lese, sammle Gedanken und beschäftige mich mit einem Thema, um es anschließend für meine Teilnehmerinnen aufzubereiten – und nicht selten fliegt mir das Thema dabei erst einmal selbst um die Ohren.
So war es auch diesmal.
Bei meiner Vorbereitung beschäftigte ich mich unter anderem mit Selbstwert, alten Rollen, Erwartungen und der Frage, warum wir manchmal so selbstverständlich funktionieren, obwohl unsere eigenen Bedürfnisse dabei längst irgendwo verloren gegangen sind. Ein Buch brachte mich dabei ziemlich unvermittelt zum Thema Parentifizierung und plötzlich verstand ich etwas aus meiner eigenen Geschichte noch einmal ganz neu.
Daraus entstand nicht nur ein Teil meiner Vorbereitung für die Ankerzeit, sondern auch mein erster Artikel hier im „Raum für Gedanken“: „Wenn das hilfreiche Kind erwachsen ist“.
Vielleicht ist genau das für mich ein wichtiger Teil von Selbstfürsorge:
überhaupt erst einmal hinzuschauen.
Was brauche ich eigentlich?
Wo kämpfe ich gegen mich selbst?
Welche Erwartungen versuche ich immer noch zu erfüllen?
Was davon gehört heute überhaupt noch zu mir?
Und darf es mir vielleicht gut gehen, ohne dass ich mir dieses Gutgehen erst verdienen muss?
Seelische Gesundheit bedeutet für mich deshalb auch, Räume zu haben, in denen solche Fragen auftauchen dürfen. Nicht immer mit dem Anspruch, sofort eine Antwort oder Lösung zu finden, sondern manchmal einfach, um etwas wahrzunehmen, das im Alltag unter all dem Funktionieren keinen Platz bekommt.
Selbstfürsorge ist mehr als ein gemütlicher Abend auf dem Sofa
Und damit komme ich zum vierten Angebot, das während dieser Woche stattfindet: meinem Access Bars® Kurs am 18. Oktober.
Access Bars® wird an vielen Stellen mit Entspannung und Wohlbefinden in Verbindung gebracht. Für mich persönlich steckt darin vor allem ein Gedanke, der in unserem Alltag manchmal erstaunlich schwierig geworden ist:
einfach einmal nichts tun zu müssen.
Nicht funktionieren. Nicht leisten.
Nicht gleichzeitig noch fünf Dinge erledigen.
Einfach liegen, empfangen und dem Körper und dem Kopf erlauben, zur Ruhe zu kommen.
Denn auch wenn ich abends auf dem Sofa sitze und fernsehe, bedeutet das nicht automatisch, dass mein System tatsächlich zur Ruhe kommt. Vielleicht beantworte ich nebenbei Nachrichten, denke über den nächsten Tag nach, scrolle durchs Handy oder plane im Kopf schon wieder drei Schritte weiter.
Bewusste Selbstfürsorge kann für mich deshalb auch bedeuten, wirklich auszusteigen aus diesem permanenten Tun und meinem Körper und meinem Kopf eine Pause zu gönnen.
Wie sich diese Pause für jeden Einzelnen anfühlt, ist unterschiedlich. Für mich kann sie sich wie ein kleines Reset anfühlen – als würde für einen Moment etwas leiser und wieder ein bisschen mehr Raum entstehen.
Nicht, weil danach plötzlich alle Probleme verschwunden sind, sondern weil ich nicht ununterbrochen funktionieren muss.
Was braucht Deine Seele?
Vielleicht ist es also gar kein Zufall, dass diese vier so unterschiedlichen Angebote in die Woche der Seelischen Gesundheit fallen.
HörMuschel-DGS beschäftigt sich mit Kommunikation und der Frage, wie Begegnung möglich wird, wenn Menschen unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen.
Beim HörMuschel-Treff geht es um einen Rahmen, in dem Hör-Herausforderungen nicht erst möglichst gut kompensiert werden müssen, um dazugehören zu können.
Bei der Ankerzeit darf der Blick nach innen gehen, zu den eigenen Bedürfnissen, alten Geschichten und der Frage, wie viel Kraft es eigentlich kostet, ständig gegen sich selbst zu kämpfen.
Und bei Access Bars® geht es für mich auch darum, aus dem Funktionieren herauszukommen und sich bewusst Zeit für sich selbst und das eigene Wohlbefinden zu nehmen.
Vier vollkommen unterschiedliche Räume – und vielleicht doch ein gemeinsamer Gedanke.
Seelische Gesundheit braucht für mich nicht nur Selbstfürsorge und Rückzug. Sie braucht ebenso Begegnung, Verbindung und das Gefühl, wirklich dazugehören zu können.
Und Teilhabe bedeutet für mich inzwischen sehr viel mehr, als irgendwo dabei sein zu dürfen.
Es bedeutet, Bedingungen vorzufinden, unter denen ich tatsächlich mitmachen, verstehen, kommunizieren und mich als Teil einer Gemeinschaft erleben kann.
Gleichzeitig bedeutet es auch, meine eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen und ernst nehmen zu dürfen.
Vielleicht beginnt seelische Gesundheit manchmal genau dort: bei der Frage, was ich eigentlich brauche, damit es mir gut gehen kann.
Und bei der Erlaubnis, diese Antwort nicht mit der Antwort eines anderen Menschen vergleichen zu müssen.
Ein kleiner Raum für Dich
Die Woche der Seelischen Gesundheit möchte ich in diesem Jahr auch zum Anlass nehmen, Dir einen kleinen Impuls für Deine eigene Selbstfürsorge mitzugeben.
Wenn Du zwischen dem 10. und 20. Oktober 2026 eine 90-minütige Einzelsitzung bei mir buchst, zahlst Du 190 € statt 210 € inkl. MwSt..
Dabei schauen wir gemeinsam auf das, was Dich gerade beschäftigt und was Dich unterstützen kann – im Gespräch oder auch mit Körper- und Energiearbeit.
Der Termin selbst darf selbstverständlich auch nach dem 20. Oktober 2026 stattfinden. Entscheidend ist die Buchung innerhalb der Aktionswoche.


